Nov 19, 2020 9:00 AM

thyssenkrupp erzielt Einigung zur Restrukturierung im automobilen Anlagenbau in Deutschland

  • Rahmenvereinbarung und Sozialplan für insgesamt sieben Standorte der thyssenkrupp System Engineering in Deutschland abgeschlossen

  • Sozialverträglicher Abbau von 385 Stellen vorgesehen

  • Wichtiger Meilenstein bei der Teilung der thyssenkrupp System Engineering in zwei eigenständige Unternehmen für Karosseriebau und Antrieb erreicht

thyssenkrupp hat mit der Mitbestimmung eine Einigung zur Restrukturierung der deutschen Standorte des Geschäftsbereichs System Engineering erzielt. Dazu konnten sich die Tarifpartner auf eine Rahmenvereinbarung und einen Sozialplan für die insgesamt sieben betroffenen Standorte in Deutschland einigen. Das Verhandlungsergebnis sieht einen sozialverträglichen Abbau von insgesamt 385 Stellen an diesen Standorten vor.

Felix Bader, Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor bei thyssenkrupp System Engineering: „Mit der erzielten Einigung haben wir einen wichtigen Meilenstein bei der Teilung und Neuaufstellung des automobilen Anlagenbaus von thyssenkrupp erreicht. In Rekordzeit haben wir ein tragfähiges Restrukturierungskonzept abgeschlossen, das den neuen Geschäftseinheiten, die aus der Teilung hervorgehen, eine wettbewerbsfähige Startposition als eigenständige Unternehmen ermöglicht.“

Anfang Oktober wurde die operative Teilung des automobilen Anlagenbaus bei thyssenkrupp gestartet. Die bisherige Business Unit System Engineering wird dazu im laufenden Geschäftsjahr kaufmännisch, operativ und rechtlich in zwei eigenständige Geschäftseinheiten aufgeteilt. Zukünftig wird es einen auf Karosseriemontage spezialisierten Anlagenbauer geben, der weiterhin im automobilen Zuliefer- und Service-Segment (Automotive Technology) von thyssenkrupp geführt wird. Die bisherigen Aktivitäten im Bereich der Antriebs- und Batteriemontage werden in einem Unternehmen gebündelt, das zum Portfoliosegment (Multi Tracks) von thyssenkrupp gehört. Sowohl die Teilung des Unternehmens als auch ein durch die Corona-Krise drastisch verschärfter Einbruch des Auftragseingangs im zurückliegenden Geschäftsjahr machen eine Restrukturierung im In- und Ausland notwendig.

Im Zuge der Restrukturierung werden im Karosserieteil des Unternehmens 157 Stellen an Standorten in Baden-Württemberg, dem Saarland und Hessen wegfallen. Auf den Antriebs- und Batterieteil entfällt ein weiterer Abbau von 228 Stellen an Standorten in Bremen und Sachsen. Ein wesentlicher Baustein ist dabei die Bündelung aller Aktivitäten für Speichertechnologien am Standort Chemnitz. Bisher betreibt das Unternehmen in Hohenstein-Ernstthal noch einen zweiten Standort für Batteriemontage in Sachsen. Die dortigen Aktivitäten sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres vollständig nach Chemnitz verlagert werden. Aus dem Marktrückgang und der Zentralisierung der Speichertechnologien an einem Standort ergibt sich ein Abbaubedarf von 154 Stellen in Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz.

„Unser Ansatz war von Anfang an, kein Technologiefeld aufzugeben und dennoch unser Standortkonzept den Marktgegebenheiten anzupassen. Insgesamt bin ich sehr froh darüber, dass wir den ursprünglich geplanten Stellenabbau etwas abfedern konnten. Das haben wir im Wesentlichen dadurch erreicht, dass wir die natürliche Mitarbeiterfluktuation nutzen und in Teilen mit internen Wechseln ausgleichen können. Damit begrenzen wir den Personalabbau, halten wichtiges Knowhow im Unternehmen und können gleichzeitig die wirtschaftlichen Ziele der Restrukturierung wie geplant erreichen,“ so Bader weiter.

Die Business Unit System Engineering betreibt in Deutschland derzeit neun Entwicklungs- und Produktionsstandorte. In Bremen und Langenhagen (Niedersachsen) entwickelt und fertigt das Unternehmen Montage- und Testanlagen für Verbrennungs-, E-Motoren und Brennstoffzellen. An den Standorten Heilbronn (Baden-Württemberg), Lockweiler (Saarland) und Burghaun (Hessen) werden Montageanlagen für den Karosseriebau entwickelt und produziert. Zudem betreibt das Unternehmen in Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz (Sachsen) zwei Werke für Batteriemontageanlagen. An den Standorten Mühlacker und Weinsberg (Baden-Württemberg) werden darüber hinaus Leichtbaulösungen für Fahrzeuge entwickelt und in Serie gefertigt. Insgesamt sind in Deutschland derzeit knapp 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im automobilen Anlagenbau bei thyssenkrupp beschäftigt.